CachyOS Entwickler-Setup 2026: Docker, Distrobox und VS Code

CachyOS wird gerne als „Gamer-Distro“ abgestempelt, weil der Großteil der Berichterstattung sich um Proton, Gamescope und Frame-Pacing dreht. Schade, denn als Entwickler-Workstation hat CachyOS einen riesigen Vorteil: aktuelle Toolchains aus den Arch-Repos, ohne PPAs, ohne LTS-Wartezimmer, ohne Docker-Image für jede kleine Sprache. Wer 2026 mit modernen Stacks arbeitet – Rust nightly, Go 1.24, Node 22, Python 3.13 – ist auf einer Rolling-Release-Distro deutlich entspannter als auf Ubuntu 22.04 LTS.

Dieser Guide ist die kondensierte Version dessen, was sich bei mir auf einer CachyOS-Workstation als Dev-Stack durchgesetzt hat: ein paar Basispakete, sinnvolle Isolation mit Distrobox und Docker und ein VS Code, das nicht nach drei Wochen wieder neu installiert werden muss.

Die Basis: Pakete, die in jedes Dev-Setup gehören

Bevor wir an Container und IDEs gehen, holt sich CachyOS einmal alles, was du täglich brauchst, aus den offiziellen Repos. Diese Gruppe ist ein guter Startpunkt:

sudo pacman -S --needed \
  base-devel git github-cli openssh \
  curl wget jq ripgrep fd bat eza \
  fzf zoxide starship tmux neovim \
  python python-pip nodejs npm \
  go rustup \
  docker docker-compose distrobox

Kurz zur Begründung:

  • base-devel – meta-Paket mit gcc, make und allem, was das AUR und Compiler-Sprachen erwarten.
  • github-cli (gh) – PRs, Issues und Reviews aus dem Terminal. Spart spürbar Browser-Zeit.
  • ripgrep, fd, bat, eza – Rust-Reimplementierungen von grep, find, cat, ls. Mehr dazu im „Modernes Linux-Terminal 2026„-Artikel.
  • fzf + zoxide – fuzzy Finder und cd-Ersatz mit Frecency. Nach einer Woche willst du das nicht mehr missen.
  • starship – schneller Cross-Shell-Prompt, der Git-Status und Sprach-Versionen anzeigt.
  • rustup – Rust-Toolchain-Manager. Nicht rust direkt installieren, sonst hast du keine Toolchain-Verwaltung.

Mit pacman bleibst du immer auf dem aktuellen Stand, ohne dass dir Distro-Maintainer Backports versprechen müssen, die nie kommen.

CachyOS-Paket-Update mit pacman/paru im Terminal – Basis für reproduzierbare Dev-Environments
Frische Toolchains direkt aus pacman – das ist der eigentliche Dev-USP von Arch-basierten Distros.

VS Code: stabiler Editor ohne Telemetrie-Stress

Visual Studio Code ist 2026 nach wie vor der meistverbreitete Editor in der Linux-Welt – egal ob du Vim-Power-User bist, der nur „mal eben“ damit arbeitet, oder ob VS Code dein Hauptwerkzeug ist. Auf CachyOS hast du drei Varianten:

  • code (Repo): Microsoft-Build mit Telemetrie und proprietären Erweiterungen wie Pylance.
  • code-oss: Vanilla-Open-Source-Build aus den Arch-Repos. Keine Telemetrie, dafür ohne Microsoft-only-Extensions.
  • vscodium-bin (AUR): Wie code-oss, aber mit Microsoft-Marketplace-Patch – nutzt also dasselbe Extension-Ökosystem.

Wer maximalen Komfort will, nimmt code. Wer Wert auf Open Source legt, aber das volle Ökosystem will, ist mit VSCodium am glücklichsten:

paru -S vscodium-bin

# Empfohlene Extensions (Liste exportierbar mit `codium --list-extensions`)
codium --install-extension ms-python.python
codium --install-extension rust-lang.rust-analyzer
codium --install-extension golang.go
codium --install-extension dbaeumer.vscode-eslint
codium --install-extension eamodio.gitlens
codium --install-extension ms-azuretools.vscode-docker

Wichtig: VS Code unter Wayland startet standardmäßig in XWayland. Für nativen Wayland-Support setze in den Settings "window.titleBarStyle": "custom" und starte mit codium --ozone-platform-hint=auto --enable-features=UseOzonePlatform,WaylandWindowDecorations. Auf HiDPI-Monitoren ist der Unterschied beim Scrolling und bei der Schriftschärfe sofort spürbar.

Distrobox: andere Distros in Containern – ohne VM

Distrobox ist 2026 das vermutlich unterschätzteste Tool im Linux-Dev-Stack. Es nutzt Podman oder Docker im Hintergrund, um vollwertige Distro-Container zu starten, deren Home- und Audio-Sockets mit deinem Host geteilt werden. Aus dem Container heraus kannst du code, firefox oder pulseaudio nutzen – ohne dass du es merkst.

Warum das auf CachyOS so wertvoll ist: Wenn ein Kunde dir „läuft auf Ubuntu 22.04″ sagt, willst du nicht deine Workstation auf Ubuntu downgraden. Aber du willst auch nicht eine VM hochfahren, nur um ein Build zu testen. Distrobox ist der Mittelweg:

# Ubuntu 22.04 Box für den Kunden-Build
distrobox create --name ubuntu22 --image ubuntu:22.04
distrobox enter ubuntu22

# Innen drin bist du root, hast Zugriff auf dein Home,
# kannst apt benutzen, npm/python installieren etc.
apt update && apt install build-essential python3

# Aus dem Container heraus eine GUI starten:
distrobox-export --app code   # exportiert nach Host-Menü

Andere typische Boxes: fedora:41 für RPM-Builds, archlinux für ein „reines“ Arch ohne CachyOS-Patches, nixos/nix für Nix-Experimente. Container sind in Sekunden weg, wenn du sie nicht mehr brauchst.

Docker oder Podman? Beide.

Auf CachyOS sind docker und podman beide im Repo. Welche du nimmst, hängt vom Use-Case ab – und du kannst sie parallel betreiben:

  • Docker – Industriestandard, kompatibel mit jedem CI/CD, dem du je begegnest. Brauchst du, sobald du docker-compose.yml-Files von Kollegen bekommst.
  • Podman – rootless by default, daemonless, kompatibel mit dem Docker-CLI (via alias docker=podman). Sicherheitstechnisch klar überlegen.

Setup für Docker auf CachyOS:

sudo systemctl enable --now docker
sudo usermod -aG docker $USER
# kurz aus- und wieder einloggen, dann:
docker run --rm hello-world
Docker-Container-Start im Terminal mit ausgegebener Container-ID und Statusmeldungen
Erste Container-Starts auf CachyOS – ab hier ist der Workflow identisch mit jeder anderen Distro.

Sicherheitshinweis: Wer den User in die docker-Gruppe steckt, gibt ihm faktisch Root-Rechte. Auf einer Single-User-Workstation akzeptabel, auf einem Multi-User-System nicht. Im Zweifel lieber Podman nutzen.

Sprachen-Toolchains: rustup, nvm, pyenv – oder Pacman?

Hier sind die Linux-Devs gespalten. Die zwei Schulen sind:

  • Pacman-only: Alle Sprachen kommen aus dem Repo (python, nodejs, go, rust). Vorteil: keine zweite Versionsverwaltung. Nachteil: du bist immer auf der neuesten Version, was bei Projekten mit festgeschriebenen Versionen Stress macht.
  • Versionsmanager: rustup, nvm, pyenv, volta. Vorteil: pro Projekt eine andere Version. Nachteil: zusätzliche Tooling-Schicht, die regelmäßig kaputtgeht.

Mein Kompromiss seit zwei Jahren: rustup für Rust (weil nightly häufig gebraucht wird), nvm für Node (weil Projekte gerne LTS-Versionen festschreiben), Pacman-python als System-Python plus uv für projektbezogene venvs, Pacman-go für Go (weil Go-Toolchains intern Versionen handhaben). Das ist arbiträr, aber jeder einzelne Punkt hat einen Grund.

Git, SSH und GitHub CLI: einmal sauber aufsetzen

Der unspektakulärste Teil – und gerade deshalb der, an dem viele Stunden verbrennen, weil sie ihn nie sauber aufsetzen. Einmal investierte Zeit:

# SSH-Key für GitHub (Ed25519 – moderner und kürzer als RSA)
ssh-keygen -t ed25519 -C "andre@cybernewshub.tech"
gh auth login --hostname github.com --git-protocol ssh

# Git: globale Defaults setzen
git config --global user.name "Andre"
git config --global user.email "andre@cybernewshub.tech"
git config --global init.defaultBranch main
git config --global pull.rebase true
git config --global rerere.enabled true
git config --global core.editor "codium --wait"

Besonders rerere.enabled true ist Gold wert: Git merkt sich Konflikt-Auflösungen und wendet sie beim nächsten ähnlichen Konflikt automatisch wieder an. Wer regelmäßig Rebases macht, will das aktiviert haben.

Was am Ende übrig bleibt

Mit dem Stack oben hast du in einer Stunde aus einem frisch installierten CachyOS eine vollwertige Dev-Workstation gemacht: aktuelle Toolchains aus Pacman, isolierte Distro-Container für Spezialfälle, ein vernünftiger Editor und Git, das nicht bei jedem Rebase weint. Anders als bei Ubuntu oder Fedora musst du dich nicht zwischen „stabil“ und „aktuell“ entscheiden – CachyOS liefert beides, solange du Btrfs-Snapshots aktiviert hast und bei einem komplett kaputten Update einfach zurückrollen kannst.

Was ich bewusst weggelassen habe: IDE-Alternativen (JetBrains, Helix, Zed), Cloud-Tooling (kubectl, terraform, awscli) und CI-Runner. Das hängt zu sehr vom Job ab. Aber der Boden ist mit dem oben Geschilderten gelegt – alles andere ist pacman -S <tool> weit weg.

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