Pi-hole installieren: Werbung und Tracker im ganzen Netzwerk blockieren

uBlock Origin im Browser ist großartig – aber er schützt nur einen Browser auf einem Gerät. Smart-TV, Spielekonsole, Smartphone-Apps und das Smart-Home-Gerät im Flur sehen weiterhin jede Menge Werbung und Tracker. Genau hier kommt Pi-hole ins Spiel: ein selbstgehosteter DNS-Server, der Werbe- und Tracking-Domains für dein komplettes Netzwerk blockt. In diesem Guide erkläre ich, wie du Pi-hole 2026 sauber auf einem Raspberry Pi einrichtest – inklusive Fritzbox-Integration und häufiger Stolperfallen.

Router mit bunten Netzwerkkabeln – Pi-hole sitzt als DNS-Server zwischen Router und Endgeräten
Pi-hole arbeitet nicht am Router vorbei, sondern als zentraler DNS-Resolver im Heimnetz.

Wie Pi-hole eigentlich funktioniert

Jede Webseite und jede App muss zuerst einen Domainnamen wie ads.example.com in eine IP-Adresse auflösen – das macht der DNS-Server. Normalerweise fragt dein Router dafür den DNS-Server deines Providers. Pi-hole setzt sich dazwischen und schaut vor jeder Antwort in eine Sperrliste:

  1. Gerät fragt: „Was ist die IP von tracking.werbenetzwerk.de?“
  2. Pi-hole prüft: Steht die Domain auf einer Blocklist? → Ja → Antwort: 0.0.0.0
  3. Die App erreicht den Tracker nie, es wird keine Werbung geladen.

Der Clou: Jedes Gerät, das deinen Router als DNS nutzt (also praktisch alles im WLAN), ist automatisch geschützt – ohne Software-Installation auf dem Gerät selbst. Smart-TV, Konsole, Gäste-Handy: alles durch.

Was du brauchst

  • Einen Raspberry Pi (Pi 3B+, Pi 4 oder Pi 5) mit Netzteil und SD-Karte – oder alternativ eine Linux-VM / einen alten Mini-PC
  • Ein Netzwerkkabel (WLAN geht auch, Kabel ist aber deutlich stabiler für einen DNS-Server)
  • Zugriff auf dein Router-Interface (z. B. Fritzbox, Speedport)
  • 15 Minuten Zeit

Schritt 1: Raspberry Pi OS einrichten

Lade den Raspberry Pi Imager herunter, wähle Raspberry Pi OS Lite (64-bit) und deine SD-Karte. Klicke auf das Zahnrad (oder Strg + Shift + X), aktiviere SSH und setze einen Benutzernamen + Passwort. Flashen, SD-Karte in den Pi, Netzwerkkabel + Strom – fertig.

Nach dem Boot den Pi per SSH erreichen. Die IP findest du entweder in deinem Router oder per Nmap:

ssh pi@192.168.178.42   # Beispiel-IP
sudo apt update && sudo apt -y full-upgrade
sudo reboot

Schritt 2: Statische IP festlegen

Wichtig: Der Pi muss eine feste IP haben, sonst verliert dein ganzes Netzwerk bei einem Lease-Wechsel die DNS-Auflösung. Am saubersten geht das über den Router (DHCP-Reservierung). In der Fritzbox: Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkverbindungen → Pi auswählen → „Diesem Gerät immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen“.

Schritt 3: Pi-hole installieren

Ein einziger Befehl:

curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash

Der Installer führt dich durch ein paar Dialoge. Empfohlene Antworten für den Standardfall:

  • Upstream-DNS: Cloudflare (1.1.1.1) oder Quad9 (9.9.9.9) – beides datenschutzfreundlicher als Google oder dein ISP
  • Blocklist: Default (StevenBlack) zunächst behalten, weitere später ergänzen
  • Web-Interface: On
  • Logging: On (lässt sich später anonymisieren)

Am Ende zeigt der Installer dir das Admin-Passwort an. Unbedingt notieren – alternativ später mit pihole setpassword neu setzen.

Schritt 4: Pi-hole im Router als DNS eintragen

WLAN-Router und Netzwerk-Switch nebeneinander – das Herz des Heimnetzwerks
Sobald der Router den Pi als DNS ausliefert, ist jedes Gerät im Netz automatisch geschützt.

Damit Pi-hole wirkt, muss dein Router ihn als DNS verteilen. Zwei Wege:

Variante A (empfohlen): DNS im Router umstellen

In der Fritzbox: Internet → Zugangsdaten → DNS-Server → „Andere DNSv4-Server verwenden“ und die Pi-hole-IP eintragen. Als zweiten Server kannst du denselben Pi wiederholen (nicht Cloudflare eintragen – sonst würde der Router bei der ersten Ad-Blockade einfach umfallen und den zweiten Server ohne Filter verwenden).

Variante B: Nur einzelne Geräte umleiten

Erlaubt der Router keine DNS-Änderung (viele Provider-Router), kannst du auf jedem Gerät den DNS manuell setzen. Umständlich, aber funktioniert als Test.

Schritt 5: Testen

Öffne im Browser http://<pi-ip>/admin. Nach ein paar Minuten solltest du unter Queries bereits Anfragen sehen. Ein einfacher Live-Test:

  • Besuch d3ward.github.io/toolz/adblock – dort wird die Blockrate live getestet
  • Starte eine News-App auf dem Smartphone und schau, wie viele Tracker-Domains geblockt werden

Typische Blockraten liegen bei 10–30 % aller DNS-Anfragen im Heimnetz.

Häufige Fallstricke

  • DNS-over-HTTPS (DoH) im Browser: Firefox und Chrome nutzen teils eigenes DoH und umgehen Pi-hole komplett. Abhilfe: DoH im Browser deaktivieren oder Pi-hole + Unbound als eigenen DoH-Resolver aufsetzen.
  • Smart-TVs mit hartcodiertem Google-DNS: Manche Geräte (v. a. Samsung, LG) fragen direkt 8.8.8.8. Hier hilft eine Firewall-Regel am Router, die ausgehenden UDP/53-Verkehr blockt – außer zum Pi.
  • YouTube-Werbung bleibt: YouTube liefert Ads über dieselbe Domain wie Videos. Das kann Pi-hole per Design nicht lösen – dafür braucht es weiterhin uBlock Origin oder SponsorBlock.
  • Fritzbox-Gastnetz: Das Gastnetz ignoriert die DNS-Einstellungen in den Zugangsdaten. Separat konfigurieren.

Bonus: Empfehlenswerte Blocklisten 2026

Unter Adlists im Admin-Panel kannst du weitere Listen ergänzen. Bewährt haben sich:

  • https://big.oisd.nl – sehr große, sorgfältig kuratierte Liste
  • https://v.firebog.net/hosts/static/w3kbl.txt – Werbung & Tracker
  • https://raw.githubusercontent.com/hagezi/dns-blocklists/main/hosts/multi.txt – Hagezi „Multi“ – sehr effektiv

Nach jedem Hinzufügen Tools → Update Gravity ausführen.

Fazit

Pi-hole ist eines der wirkungsvollsten Privacy-Upgrades, die du dir mit einer Stunde Bastelarbeit ins Haus holen kannst. Einmal eingerichtet, läuft das Ding jahrelang ohne Wartung – und jedes neue Gerät im Netz profitiert automatisch. Wer Pi-hole mit einem zusätzlichen Upstream-Resolver wie Unbound kombiniert, macht sich sogar vom DNS seines Providers unabhängig. Für mich: Pflicht in jedem Heimnetz 2026.

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