Wer 2026 nach einem VPN sucht, das Privatsphäre wirklich ernst nimmt, landet schnell bei drei Namen: Mullvad, Proton VPN und IVPN. Alle drei zählen seit Jahren zu den vertrauenswürdigsten Anbietern der Szene – aber sie unterscheiden sich in Standorten, Bezahlmodellen, App-Features und Audit-Politik weit stärker, als die Marketing-Seiten zugeben. Dieser Vergleich räumt damit auf.
Vorab: Ein VPN ist kein Allheilmittel. Es verlagert dein Vertrauen vom Internet-Provider auf den VPN-Anbieter – wer den richtigen wählt, gewinnt echte Privatsphäre, wer den falschen wählt, verschiebt das Problem nur. Die folgenden drei Anbieter haben sich diesen Vertrauensvorschuss verdient. Wer noch grundsätzlich überlegt, ob er überhaupt einen VPN braucht, findet die ehrliche Antwort in unserem Artikel VPN 2026: Wann es wirklich sinnvoll ist – und wann nicht.
Was diese 3 Anbieter eint – und warum sie aus der Masse herausstechen
Die meisten VPN-Anbieter verkaufen „Privatsphäre“ als Marketing-Begriff. Mullvad, Proton und IVPN gehen weiter:
- Keine Logs – unabhängig auditiert. Alle drei haben sich von Drittfirmen wie Cure53 oder Securitum regelmäßig bestätigen lassen, dass weder Verbindungs- noch Aktivitätsdaten gespeichert werden.
- Open-Source-Apps. Quellcode aller Clients öffentlich auf GitHub – jeder kann nachlesen, was wirklich passiert, und reproduzierbare Builds sind teilweise möglich.
- Datensparsame Anmeldung. Kein Klarname, keine Telefonnummer. Mullvad nutzt nur eine Konto-Nummer, Proton akzeptiert anonyme E-Mails, IVPN bietet ebenfalls anonyme IDs.
- Anonyme Zahlung möglich. Bargeld per Brief, Monero oder Bitcoin – wer maximal anonym bleiben will, kann es bei allen drei.

Mullvad VPN – der Privacy-Purist aus Schweden
Mullvad (mullvad.net) wird seit 2009 von der schwedischen Firma Amagicom AB betrieben und hat in der Privacy-Community fast schon Kultstatus. Drei Eigenheiten machen Mullvad besonders:
- Kein klassisches Konto. Beim Anlegen bekommst du eine 16-stellige Nummer – kein Login, kein Passwort, keine E-Mail. Diese Nummer ist gleichzeitig deine ID.
- Festpreis 5 €/Monat. Keine Staffelung, keine Lockangebote, keine Drei-Jahres-Verträge mit 80-%-Rabatt-Trick. Ehrlicher als jeder Wettbewerber.
- Bezahlen per Bargeld im Briefumschlag. Wer wirklich will, kann seine Konto-Nummer plus Bargeld nach Göteborg schicken. Funktioniert tatsächlich.
Auf der Tech-Seite ist Mullvad ein WireGuard-Pionier: Bereits 2017 als einer der ersten kommerziellen Anbieter integriert, heute der bevorzugte Default-Tunnel. Wer WireGuard schon einmal selbst gehostet hat, fühlt sich sofort zuhause. OpenVPN ist als Fallback verfügbar. Audits liefen 2020 (Cure53), 2021 (Assured AB) und 2024 (Atredis Partners) – alle öffentlich einsehbar.
Wo Mullvad nicht glänzt: Streaming-Plattformen erkennen die Server inzwischen recht zuverlässig. Wer Netflix US oder BBC iPlayer entsperren will, wird hier oft enttäuscht. Mullvad sagt das auch offen: „Wir bauen ein Privacy-Tool, kein Geoshifting-Tool.“
Proton VPN – der Allrounder mit kostenlosem Tier
Proton VPN gehört zum Schweizer Proton-Ökosystem (bekannt durch Proton Mail) und ist 2026 wahrscheinlich der bekannteste Privacy-VPN überhaupt. Vier Stärken:
- Kostenloses Tier (Proton VPN Free). Einziges Privacy-VPN, das einen seriösen Gratis-Plan anbietet – keine Werbung, kein Tracking, keine Bandbreiten-Drosselung. Server in den Niederlanden, USA, Japan und Rumänien.
- Secure Core. Premium-Feature: Dein Traffic geht durch zwei VPN-Server in besonders datenschutzfreundlichen Ländern (Island, Schweden, Schweiz), bevor er das öffentliche Internet erreicht. Schützt gegen kompromittierte Exit-Nodes.
- NetShield. Eingebauter Werbe- und Tracker-Blocker auf DNS-Ebene – ähnlich wie Pi-hole, nur direkt im VPN-Tunnel.
- Apps für alle Plattformen. Linux, Windows, macOS, iOS, Android, einige Router-Firmwares – alle Clients Open Source und auf GitHub einsehbar.
Proton ist in der Schweiz reguliert (außerhalb der 14-Eyes-Allianz), die Server stehen in über 90 Ländern. Audits von Securitum (2024) bestätigen die No-Logs-Politik. Bezahlung per Kreditkarte, PayPal, Bitcoin oder Bargeld per Post.
Negativpunkt: Der kostenpflichtige Plan ist mit etwa 10 €/Monat (oder 5 € im Zwei-Jahres-Vertrag) teurer als Mullvad. Dafür gibt es deutlich mehr Server-Standorte und stabilen Streaming-Support für Netflix, Disney+ und Co.
IVPN – der konsequente Privacy-Hardliner aus Gibraltar
IVPN ist der kleinste der drei (Sitz in Gibraltar, kleines Team), aber konsequent auf Privatsphäre statt Marketing ausgerichtet. Was IVPN auszeichnet:
- Anonyme Konto-Nummern wie bei Mullvad. Keine E-Mail-Pflicht, kein Klarname beim Anlegen.
- AntiTracker. Eingebauter Werbe-/Tracker-Blocker, optional mit „Hardcore“-Liste für noch aggressivere Filterung.
- Multi-Hop. Wie Proton Secure Core – Traffic über zwei Server, allerdings frei vom Nutzer wählbar.
- Reproduzierbare Builds für die Apps. Du kannst die veröffentlichten App-Binaries gegen den Open-Source-Quellcode bit-für-bit verifizieren – kein anderer kommerzieller VPN macht das so konsequent.

Standard-Tunnel ist WireGuard, mit OpenVPN als Fallback. Audits liefen 2019, 2022 und 2024 (Cure53). Preise: ca. 6 USD/Monat („Standard“) oder 10 USD/Monat („Pro“ mit Multi-Hop und Port-Forwarding).
Wo IVPN nicht glänzt: weniger Server-Standorte (etwa 40 Länder), Streaming-Support eher Mittelmaß, und das kleinere Marketing-Budget bedeutet, dass die Apps weniger poliert wirken als die von Proton VPN.
Direkter Vergleich: Mullvad vs Proton vs IVPN
| Merkmal | Mullvad | Proton VPN | IVPN |
|---|---|---|---|
| Standort Firma | Schweden | Schweiz | Gibraltar |
| Preis/Monat | 5 € | 0 € (Free) / 10 € (Plus) | 6 USD / 10 USD |
| Gratis-Tier | Nein | Ja (unbegrenzt) | Nein (7-Tage-Test) |
| Anmeldung | 16-stellige Nummer | E-Mail (anonym OK) | Konto-ID |
| Server-Länder | ~40 | >90 | ~40 |
| WireGuard | ✅ Default | ✅ (Premium) | ✅ Default |
| Multi-Hop | ✅ | ✅ Secure Core | ✅ (Pro-Plan) |
| Werbe-/Tracker-Block | ✅ DNS-basiert | ✅ NetShield | ✅ AntiTracker |
| Streaming-Support | Schwach | Stark | Mittel |
| Letzter Audit | 2024 (Atredis) | 2024 (Securitum) | 2024 (Cure53) |
| Bezahlung Bargeld/Crypto | ✅ | ✅ | ✅ Monero |
| Reproduzierbare Builds | Teilweise | Teilweise | ✅ Vollständig |
Welcher VPN für wen?
- Du willst maximale Privatsphäre und einen ehrlichen Festpreis ohne Lockangebot? → Mullvad. Klar, klein, konsequent. Ideal für IT-affine Nutzer, die keine Lust auf das übliche VPN-Marketing haben.
- Du brauchst einen VPN, der auch Streaming kann und einen kostenlosen Plan zum Reinschnuppern? → Proton VPN. Mehr Standorte, polierte Apps, breitere Audience – inklusive Free-Tier, das tatsächlich nutzbar ist.
- Du willst das Maximum an Verifizierbarkeit (reproduzierbare Builds, frei wählbares Multi-Hop)? → IVPN Pro. Kleinerer Anbieter, dafür mehr Aufmerksamkeit pro Kunde und maximale technische Transparenz.
Wann ein VPN überhaupt sinnvoll ist (und wann nicht)
Bevor du einen VPN abonnierst, lohnt sich die ehrliche Frage: Was willst du eigentlich erreichen? Wir haben das im Detail im Artikel VPN 2026: Wann es wirklich sinnvoll ist – und wann nicht aufgedröselt. Wer maximale Anonymität braucht (zum Beispiel für Whistleblowing oder sensible Recherche), sollte sich zusätzlich mit Tor und der Kombination VPN + Tor beschäftigen.
Alternativen: Selbst hosten oder Mesh-VPN?
Kein kommerzieller Anbieter überzeugt dich? Dann ist Selfhosting die Option. Mit WireGuard auf einem eigenen VPS hast du volle Kontrolle über die Logs – verschleierst aber deinen Standort nur eingeschränkt (der VPS-Anbieter weiß weiterhin, dass du es bist). Für sicheren Zugriff zwischen eigenen Geräten ohne Anonymisierungs-Anspruch ist Tailscale die elegantere Wahl: WireGuard unter der Haube, aber mit zentral verwaltetem Schlüsseltausch.
Fazit
Mullvad, Proton VPN und IVPN gehören 2026 zu den drei vertrauenswürdigsten Privacy-VPN-Anbietern überhaupt. Wer einen Festpreis und Privacy-Purismus will, nimmt Mullvad. Wer Streaming und ein kostenloses Tier braucht, nimmt Proton VPN. Wer maximale Verifizierbarkeit will, nimmt IVPN Pro. Alle drei sind in puncto Datenschutz besser als 95 % der „NordVPN-Werbung läuft auf jedem YouTube-Kanal“-Konkurrenten.
Wichtig zum Schluss: Ein VPN schützt deinen Traffic zwischen Endgerät und VPN-Server. Was du im Browser tust (Cookies, Logins, Fingerprinting), schützt es nicht – dafür brauchst du zusätzlich einen datenschutzfreundlichen Browser und einen vernünftigen Passwort-Manager. VPN ist ein Baustein, nicht die ganze Mauer.
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