Tausende Urlaubsfotos, jeder Schnappschuss vom Handy, die ganze Familiengeschichte – und alles liegt auf den Servern eines Konzerns, der deine Bilder per KI scannt und dir bei vollem Speicher ein Abo verkauft. Wer das nicht mehr will, kann Immich selbst hosten: eine quelloffene Foto- und Video-Verwaltung, die Google Fotos verblüffend nah kommt – nur eben auf deiner eigenen Hardware. In dieser Anleitung richtest du Immich Schritt für Schritt per Docker ein.
Warum Google Fotos zum Problem wird
Der kostenlose Speicher von Google Fotos ist seit Jahren Geschichte. Wer mehr als 15 GB braucht, zahlt monatlich – und gibt gleichzeitig sämtliche privaten Aufnahmen aus der Hand. Gesichtserkennung, Standortauswertung und KI-Training laufen alle auf fremden Servern. Genau hier setzt die Idee an, deine Fotos wieder unter eigene Kontrolle zu bringen.
Was ist Immich?
Immich ist eine selbstgehostete Foto- und Video-Lösung, die 2025 und 2026 zu den am schnellsten wachsenden Open-Source-Projekten überhaupt zählt. Es bietet fast alles, was man von der großen kommerziellen Konkurrenz kennt:
- Automatisches Backup vom Smartphone (Android & iOS) im Hintergrund
- Gesichtserkennung und KI-gestützte Objektsuche – komplett lokal berechnet
- Zeitstrahl, Alben, geteilte Links und eine Kartenansicht nach Aufnahmeort
- Mehrbenutzer-Support für die ganze Familie
- Eine flüssige App, die sich kaum von Google Fotos unterscheidet
Wichtig vorab: Immich befindet sich in aktiver Entwicklung. Für deine einzige Kopie wichtiger Erinnerungen solltest du es daher nie ohne zusätzliches Backup betreiben – dazu unten mehr.
Voraussetzungen: Welche Hardware brauchst du?
Immich läuft auf praktisch allem, worauf Docker läuft. Drei typische Optionen:
- Mini-PC oder NAS (z. B. Intel N100, Synology): ideal, weil dauerhaft an und sparsam.
- Raspberry Pi 5 mit 8 GB RAM und einer SSD: günstig und stromsparend – für kleinere Bibliotheken völlig ausreichend.
- Alter Laptop, der ohnehin nur herumliegt.
Plane genügend Speicher ein: Als Faustregel solltest du den Platz deiner aktuellen Foto-Mediathek mal zwei rechnen (Originale plus generierte Vorschaubilder).

Immich installieren mit Docker Compose
Der von den Entwicklern empfohlene Weg ist Docker Compose. Stelle sicher, dass docker und das Plugin docker compose installiert sind. Lege dann einen Ordner an und lade die offiziellen Vorlagen herunter:
mkdir immich && cd immich
wget -O docker-compose.yml https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/docker-compose.yml
wget -O .env https://github.com/immich-app/immich/releases/latest/download/example.envÖffne anschließend die Datei .env und passe vor allem zwei Werte an: UPLOAD_LOCATION (der Pfad, unter dem deine Fotos gespeichert werden) und ein sicheres DB_PASSWORD. Danach startest du den gesamten Stack:
docker compose up -dBeim ersten Start lädt Docker mehrere Container herunter (Server, Maschinelles Lernen, Datenbank und Redis). Das dauert je nach Internetverbindung ein paar Minuten. Anschließend ist die Weboberfläche unter http://SERVER-IP:2283 erreichbar.

Erste Einrichtung und die mobile App
Beim ersten Aufruf legst du das Admin-Konto an. Danach kannst du weitere Nutzer für Familienmitglieder hinzufügen. Der wichtigste Schritt folgt auf dem Handy:
- Installiere die Immich-App aus dem Play Store oder App Store.
- Trage als Server-Adresse die URL deiner Instanz ein und melde dich an.
- Aktiviere unter „Backup“ das automatische Sichern deiner Kamera-Ordner.
Ab jetzt landet jedes neue Foto automatisch auf deinem eigenen Server – genau wie bei Google Fotos, nur ohne Cloud-Konzern dazwischen.
Immich sicher betreiben: HTTPS und Backups
Solange Immich nur im Heimnetz läuft, reicht der Zugriff per IP-Adresse. Möchtest du auch von unterwegs an deine Bilder, solltest du es nicht einfach per Portfreigabe ins Internet stellen. Sicherer sind ein Reverse Proxy mit HTTPS-Zertifikat (z. B. Caddy oder Nginx Proxy Manager) oder ein Mesh-VPN wie Tailscale.
Und der wichtigste Punkt überhaupt: Immich ist kein Backup. Geht die Festplatte kaputt, sind ohne Sicherung alle Fotos weg. Richte deshalb von Anfang an eine durchdachte Datensicherung ein – wie das geht, zeigt unser Leitfaden zur 3-2-1-Backup-Strategie.
Immich, Nextcloud oder Google Fotos?
Wer bereits eine Nextcloud auf dem Mini-Server betreibt, kennt deren Foto-App – die ist solide, aber bei Gesichtserkennung und App-Performance deutlich schwächer als Immich. Faustregel: Brauchst du eine Komplett-Cloud mit Dateien, Kalender und Kontakten, nimm Nextcloud. Geht es dir rein um Fotos und Videos in Google-Fotos-Qualität, ist Immich die bessere Wahl. Beide lassen sich problemlos parallel auf derselben Hardware betreiben.
Fazit
Immich selbst zu hosten ist 2026 erstaunlich einfach geworden und die überzeugendste Antwort auf teure, datenhungrige Foto-Clouds. Mit Docker steht die Instanz in einer Viertelstunde, die App fühlt sich vertraut an – und deine Erinnerungen bleiben dort, wo sie hingehören: bei dir. Wenn du Geschmack am Self-Hosting findest, ist auch unser Guide zu Vaultwarden als eigenem Passwort-Server ein guter nächster Schritt.


