„Arch, aber einfach“ ist 2026 kein Widerspruch mehr. Drei Distributionen teilen sich diesen Sweet Spot – CachyOS, EndeavourOS und Garuda Linux. Alle drei basieren auf Arch, alle drei kommen mit grafischem Installer und alle drei zielen auf Leute, die Arch-Vorteile (Aktualität, AUR, Schlankheit) wollen, ohne die Arch-Frickelei. Trotzdem sind sie sehr unterschiedlich – und genau das macht die Wahl schwer.
Dieser Vergleich räumt mit Distrohopper-Mythen auf und sortiert die drei nach Performance, Gaming-Eignung, Wartungsaufwand und Zielgruppe. Spoiler: Es gibt nicht „die beste“, sondern drei sehr klar zugespitzte Profile.
Was alle drei gemeinsam haben
Bevor wir die Unterschiede aufdröseln: Die Basis ist identisch. Alle drei Distros nutzen Arch Linux als Unterbau, ziehen ihre Pakete aus den Arch-Repos und unterstützen das AUR. Rolling Release statt großer Versionssprünge. Pacman als Paketmanager, systemd als Init, identische Kernel-Optionen, gleiche Wayland-Reife. Wenn du in einem Tutorial liest „auf Arch funktioniert das so“, funktioniert es auf allen dreien.
Der Unterschied liegt komplett im Drumherum: welche Pakete im Live-ISO sind, welche zusätzlichen Repos eingebunden werden, welche Defaults der Installer setzt – und welche Wartungs-Tools mitgeliefert werden.
CachyOS: die Performance-fokussierte
CachyOS hat 2024 und 2025 viel Aufmerksamkeit bekommen und ist 2026 endgültig im Mainstream der Arch-Forks angekommen. Der Pitch: ein Arch, das aus jedem CPU-Zyklus etwas herausholt.
- x86-64-v3/v4-Repos: Pakete werden gegen modernere CPU-Featuresets neu kompiliert. Wer eine CPU ab Haswell (v3) oder Ice Lake (v4) hat, bekommt messbar schnellere Binaries (Details im x86-64-Repo-Artikel).
- BORE/EEVDF-Scheduler: Eigener Kernel mit alternativen Schedulern – flüssigere Desktops und bessere Frame-Pacings unter Last (siehe Kernel-Guide).
- Solider Gaming-Stack: Proton, Gamescope, MangoHud direkt aus dem Repo (siehe Gaming-Setup).
- cachyos-hello und chwd: Welcome-App und automatische Treiber-Detection – nimmt dem Erstanmelder den Schock.
- Installer: Calamares mit Auto-Btrfs-Setup und Snapper-Hooks für Snapshots vor jedem Update.
Schwachpunkt: Wenn du eine CPU vor Haswell hast (alles vor 2013), bringen die v3-Repos nichts und CachyOS verliert seinen wichtigsten USP. Außerdem ist der CachyOS-eigene Kernel zwar exzellent gepflegt, aber „yet another moving part“ – wer Stabilität über alles stellt, kann auch beim LTS-Kernel bleiben.
EndeavourOS: die puristische

EndeavourOS ist die konservativste der drei. Die Idee: Arch installieren, ohne archinstall durchzukauen – und sich danach so wenig wie möglich in den Weg stellen. Das ISO liefert einen Calamares-Installer, einen schlanken Welcome-Helper und sonst kaum etwas Eigenes.
- Nähe zu Vanilla-Arch: Nach der Installation hast du fast genau das, was du auch nach einer manuellen Arch-Installation hättest – nur mit ein paar bequemen Helfern.
- Auswahl an Desktops: Im Installer wählst du aus rund einem Dutzend Desktop-Environments. KDE, GNOME, Xfce, i3, Sway, Hyprland – alles dabei.
- Kein eigener Kernel: Standard ist der Arch-Kernel, kein Custom-Build. Wer Maximalkontrolle will, schätzt das.
- Geringes Eigen-Repo: Das EndeavourOS-Repo enthält fast nur Konfigurations-Pakete – kein „Magic“ im Hintergrund.
Genau das ist gleichzeitig die Schwäche: EndeavourOS gibt dir keine Performance-Booster, keinen Gaming-Stack out-of-the-box, keine vorkonfigurierten Snapshots. Wer das alles will, baut es selbst – was auf einer Arch-Distribution okay, aber Arbeit ist.
Garuda: die opulente

Garuda ist die Gegenthese zu EndeavourOS. Wo EndeavourOS minimal liefert, packt Garuda alles rein, was die Linux-Welt zu bieten hat. Standard-Edition „Dr460nized“ ist ein schwer aufgemotztes KDE Plasma mit Glassmorphism-Look, animierten Übergängen und einem Set vorkonfigurierter Tools.
- zen-Kernel: Standardmäßig der zen-Kernel, optimiert auf Desktop-Responsivität.
- Btrfs + Snapper ab Werk: Automatische Snapshots, bootbar via GRUB-btrfs. Riesiger Sicherheitsgurt für Anfänger.
- Garuda Gamer Edition: Komplettes Gaming-Setup inkl. Steam, Lutris, Wine, GameMode und Performance-Tweaks – installiert, eingerichtet, fertig.
- Eigenes Repo + Chaotic-AUR: Chaotic-AUR vorkonfiguriert. Heißt: viele AUR-Pakete als vorgebackene Binärpakete, ohne Kompilieren.
- Eigene Tooling-Apps: garuda-update, garuda-settings-manager, garuda-network-assistant – grafische Helfer für Aufgaben, die sonst Terminal-only wären.
Der Preis dieser Opulenz: Garuda ist deutlich schwergewichtiger als EndeavourOS oder CachyOS, sowohl beim Festplatten-Footprint als auch beim RAM-Verbrauch im Idle. Und der aggressive Look ist Geschmackssache – wer auf cleane Desktops steht, muss erst entschlacken. Außerdem hat Garuda in den letzten Jahren ein paar interne Turbulenzen mit Maintainer-Wechseln hinter sich, was vereinzelt für Diskussionen über die Langzeitstabilität gesorgt hat.
Direktvergleich: wo welche Distro punktet
| Kriterium | CachyOS | EndeavourOS | Garuda |
|---|---|---|---|
| Performance out-of-the-box | ★★★★★ | ★★★ | ★★★★ |
| Gaming-Ready | ★★★★ | ★★ | ★★★★★ |
| Schlankheit / RAM-Verbrauch | ★★★★ | ★★★★★ | ★★ |
| Snapshots/Rollback ab Werk | ★★★★ | ★★ | ★★★★★ |
| Einsteigerfreundlich | ★★★★ | ★★★ | ★★★★ |
| Vanilla-Arch-Nähe | ★★★ | ★★★★★ | ★★ |
Welche Distro passt zu welchem Profil?
Die ehrliche Antwort hängt davon ab, was du mit der Maschine vorhast:
- CachyOS ist die richtige Wahl für moderne Hardware (CPU ab 2015), Gaming-Enthusiasten und Leute, die Performance messbar haben wollen – und die nichts gegen einen leicht angepassten Kernel haben.
- EndeavourOS ist ideal für Arch-Lerner: Wer wissen will, „wie Arch funktioniert“, aber nicht direkt im Installation-Guide ertrinken möchte, bekommt hier maximale Lerntiefe ohne Stützräder.
- Garuda ist die beste Wahl für Linux-Einsteiger mit Spieletrieb, für Leute, die ein „funktioniert sofort“-Setup wollen, und für alle, denen ein opulenter Look mehr Spaß macht als ein cleaner.
Was die Distrohopper-Bubble gerne übersieht
Alle drei Distros sind nach drei Monaten Konfiguration mehr oder weniger das Gleiche: dein persönliches Arch. Die Defaults entscheiden über die ersten Tage – danach übernimmt deine eigene Paketauswahl. Wer also CachyOS installiert und sich danach ein Vanilla-KDE einrichtet, hat de facto „CachyOS-Kernel + EndeavourOS-Erfahrung“. Und wer Garuda nutzt, aber das halbe Software-Paket entfernt, landet beim selben Punkt.
Heißt: Such dir die Distro nach dem ersten Tag aus, nicht nach Tag 100. Wenn du sofort produktiv spielen willst, ist Garuda eine Stunde Setup voraus. Wenn du die maximale Performance auf modernem Silicon willst, holt CachyOS dich am schnellsten ab. Wenn du Linux lernen willst, ist EndeavourOS dein Trainingsgelände. Mehr ist es nicht – und für eine fundierte Entscheidung reicht das.


